Horst Gunkel, Band 4 der Metta-Sangha-Saga: Nilay - der Sohn Jesu - Kapitel 22                                letztmals bearbeitet am 23.02.2026
Die fett und kursiv gedruckten Begriffe sind am Ende der Seite erläutert.
Beachte auch die Fußnoten, die kann man anklicken.


22 - Der Mettā-Orden –
ein Orden von Wanderern1


Die Mettā-Sangha – fünf Jahre nach Yuz

Es waren inzwischen fünf Jahre vergangen seit dem Tod von Yuz, dessen sterbliche Überreste in einem Sarkophag im Steinernen Tempel lagen.2 Amita war eine zwar noch einigermaßen rüstige aber vom Alter gezeichnete Frau Anfang der Neunziger. Sie war inzwischen ins Kloster gezogen. Das Haus der hl. Familie war nunmehr ein Museum - und diente im Unterricht und für die Sommergäste zum Anschauungsunterricht über die Frühzeit der Mettā-Sangha.

Taracitta und ihr Mann Sunay - der einst als Katriya im früheren Herrenhaus geboren wurde und inzwischen in seinen 70ern war - wohnten jetzt in einem Haus nahe des alten Gasthofs neben dem Haus Yuvas. Taracittas Sohn Karunabandhu war Mönch geworden, ihre anderen beiden Kinder waren verheiratet und hatten ihrerseits wieder Kinder.

Da aber die drei Urenkel von Taracitta und Sunay meist die Nachmittage bei ihnen verbrachten, kam Leben ins Haus. Diese Nachmittage waren vor allem durch spielerisches Lernen gekennzeichnet. Ja - Amita, Taracitta und Sunay spielten mit den Kindern. Doch in allen diesen Spielen ging es implizit auch immer um den Dharma, um das heilige Leben. Und die Kinder hatten alle drei Spaß dabei, sowohl die beiden Mädchen als auch Muditāratna. Der Knabe war der jüngste von den dreien und war gerade eingeschult worden. Ordiniert waren inzwischen Bh. Parvati und Bh. Nadesh, diese beiden ehemaligen Anführer der Siedler aus dem Osten waren inzwischen um die 50.

Mit der gestiegenen Zahl der Mönche und Nonnen innerhalb der Mettā-Sangha, war naturgemäß deren Bedeutung in und für die Sangha gestiegen. Inzwischen war es auch nicht mehr nötig nach Ghora Katora oder zur Weißen Wolke zur Ordination zu gehen. Da die Mettā-Sangha nunmehr mit Mettā Vihara ein eigenes, vollwertiges Kloster hatte, fand hier die Ausbildung der Novizen – man nannte sie noch immer `Blaugekleidete´ – und auch deren Ordination statt.

Besuchen wir jetzt eine Sitzung des Spirituellen Rates der Mettā-Sangha. Die Leitung dieser Sitzung hatte Amita. Das war zwar nie so festgelegt worden - aber als die Überlebende des hl. Paares, der Gründer der Sangha, wurde das von allen als selbstverständlich angesehen. Auch Amitas drei Kinder, Taracitta, Bh. Maria und Bh. Nilay (alias Mahadevamitta) gehörten dem Gremium an, ebenso Manisha, Bh. Shyla und der bereits 95-jährige Sammaditthimitta (SDM).

Amita eröffnete die Sitzung: Der Ablauf der morgigen Uposatha-Veranstaltung ist ja bereits durch die monatliche Planung festgelegt. Wenn dazu keine Änderungswünsche bestehen, haben wir heute eigentlich kein aktuelles Thema. Umso mehr könnten wir uns daher einem Thema unserer Wahl widmen. Wer hat einen Vorschlag?” Amita sah in die Runde.


SDMs Vermächtnis: Die wandernden Mönche

SDM blickte die anderen an - dann begann er zu reden: Es gibt da etwas, das mir auf dem Herzen liegt - und das ich gerne mit euch besprechen möchte. Ich werde nicht mehr lange bei euch sein, sodass ich das gerne jetzt thematisierenen möchte.” Er sah in die Runde.

Jedem war klar, dass der alte Mann die Gelegenheit haben sollte, das Herzensanliegen, das er offensichtlich schon länger mit sich herumtrug, darzulegen, also warteten sie gespannt darauf, was er zu sagen hatte.

Wir haben hier inzwischen ein richtig gutes Kloster, in dem sowohl Männer als auch Frauen – mit dem gebührenden Abstand, wie sich versteht – praktizieren, so wie das in vielen Teilen von Bhārat Gaṇarājya ist. Es ist allerdings allgemein üblich, dass die Klöster abgeschieden sind, und kaum Laien, also Nicht-Ordinierte, unterrichten. Bei uns in der Mettā-Sangha ist das glücklicherweise anders: Alle Menschen unserer Sangha werden in unserer Schule in der Jugend im Dharma unterwiesen. In den Uposatha-Veranstaltungen, die die allermeisten besuchen, ist der Dharma Gegenstand - und ganz viele Männer und Frauen unserer Sangha studieren auch später noch einen halben Tag pro Woche in unseren Studienkursen. Das ist alles wunderbar.

Die anderen Klöster leisten dies in der Regel nicht. Aber es gibt dort einzelne wandernde Mönche, die umherziehen und den Menschen, die sich dafür interessieren, den Dharma näher bringen, meist durch eine Geschichte, die sie zum Nachdenken anregen soll. So machte das seinerzeit auch der Buddha und die von ihm ordinierten Mönche. Das machen wir aber bislang nicht - und das obwohl wir inzwischen zahlreiche erfahrene Mönche, Nonnen und Dharmalehrende haben.

Ich war früher ein wandernder Theravadin. Ich habe die Aufgabe wahrgenommen, den Menschen außerhalb der Klöster kleine Teile des Dharma näher zu bringen. Auch Bh. Nilay hat das gemacht, und auf diese Art die Siedler aus dem Osten hierher gebracht. Aber er hat auch noch viele weitere Menschen im Osten damit beglückt und ihnen so spirituell geholfen. Im Verhältnis dazu war das, was ich gemacht habe recht dilettantisch. Yuz selbst hat sowohl in der Gegend um das Kloster Weiße Wolke als auch zuvor schon in Pataliputra den Menschen den Dharma gebracht. Und in der römischen Provinz Syrien waren er und seine Jünger diejenigen, die umherzogen und den Menschen die gute Lehre dargelegt haben. Ich denke es sollte auch so sein, dass wir unsere Bhikkhus motivieren herauszugehen und den Dharma zu verbreiten.“ Er sah in die Runde, wollte wissen, wie die anderen zu dieser Idee standen.

Wir haben sogar noch etwas mehr anzubieten als die wandernden Theravadins“, ergänzte Bh. Maria. Wir alle wissen, dass theoretische Abhandlungen des Dharma für die Laien nicht sehr inspirierend sind. SDM hat daher darauf hingewiesen, dass die wandernden Theravadins mit lehrreichen Geschichten, zum Beispiel aus dem Leben des Buddha, arbeiten. Wir wissen aber, dass die einfachen Menschen ihre Spiritualität meist dadurch äußern, dass sie Götter anbeten - oft genug um für weltliches Glück zu bitten: für eine gute Ernte, für Gesundheit, für ihre Kinder oder ihre Eltern oder auch für eine glückliche Partnerwahl. Solche Götter haben die Hindus, wir aber nicht. Aber was wir hier entwickelt haben, sind Projektions-Figuren für verschiedene Anliegen. Wir haben die Grüne Tara, die für Mitgefühl steht. Wir haben Amoghasiddhi, der für die Gabe der Furchtlosigkeit steht. Wir haben Amitabha als Verkörperung von Mettā und von Gnade. Und wir haben Aksobhya, die Verkörperung der Unerschütterlichkeit, der Standhaftigkeit. Mit anderen Worten: wir haben etwas anzubieten, das die Menschen anzunehmen bereit sind - und das es ihnen ermöglicht auf einfache Weise mit dem Dharma in Kontakt zu kommen. Das sollten wir nutzen, das sollten wir zu ihnen bringen.“


Ratnasambhava – der Juwelen-Geborene

Das klingt ausgezeichnet, Bhikkhunī Maria”, freute sich ihr Bruder. Und ich könnte mir sogar denken, dass es noch eine weitere Figur gibt, von der ich seinerzeit von einem Mahasanghika im Kloster Weiße Wolke gehört habe. Das ist eine gelbe Figur namens Ratnasambhava. Er steht für etwas, das ganz einfache Menschen suchen - Menschen, die den Wunsch haben, dass ihre Gebete erhört werden. Es heißt, er hält das wunscherfüllende Juwel Cintamani in seiner linken Hand und mit seiner rechten Hand zeigt er die Geste der Wunschgewährung...”

Moment mal”, wandte jetzt Bh. Manisha ein. Wir sollten nicht die Gier der einfachen Menschen unterstützen. Dieses wunscherfüllende Juwel klingt doch so, als wollten sie im Glücksspiel gewinnen oder sich sonstige persönliche Vorteile sichern!”

Bh. Maria nickte ihr zu: Du hast recht, wir müssen aufpassen, dass das nicht zum Hauptanliegen wird, daher ist es wichtig in den Köpfen - und in den Herzen! - zu verankern, wofür Ratnasambhava steht, er steht nämlich für Gebefreude, für freudiges Geben, dafür, anderen das zu geben, dessen sie bedürfen: einer helfenden Hand, eines Menschen, der ihnen zuhört, der ihnen hilft, ihre Probleme zu lösen. Es geht im Kern um diese Art Selbstverpflichtung - um die Tugend des herzensfrohen Gebens. Wenn wir uns mit diesen Figuren identifizieren, dann wollen wir ja so sein wie sie. Das ist der Kern der Sache. Und wenn dennoch der eine oder die andere Ratnasambhava nur um persönliches Glück bittet - und damit am Kern der Sache vorbeigeht - dann ist das eben so. Aber hätte er nicht zu Ratnasambhava gebetet, sondern zur hinduistische Glücksgöttin Lakshmi, so wäre das genauso gut gewesen. Wenn unsere Bhikkhus aber den Menschen Ratnasambhava nahebringen, dann lehren sie zusätzlich etwas, das die Brahmanen nicht tun, wenn sie Lakshmi anbieten: Wir lehren ihnen Gebefreude, wir lehren ihnen, an sich selbst zu arbeiten, um anderen zu helfen - ja, und auch um Hilfe anzunehmen.”

Das klingt gut - das klingt sogar alles ganz ausgezeichnet”, freute sich Bh. Nilay (MDM). Wir sollten unbedingt dieses Projekt `wandernder Mettā-Sangha-Bhikkhu´ in Angriff nehmen. Allerdings sollte es keine Verpflichtung für alle Bhikkhus sein. Wir ermutigen Bhikkhus, eine Zeitlang als Wandermönch umherzuziehen, aber wir verlangen es von niemandem. Seht ihr das auch so?”

Er sah sich um und es schien keine Einwendungen zu geben. Dann jedoch meldete sich Bh. Shyla: Wir haben bislang nur von wandernden Bhikkhus gesprochen. Was ist denn mit Bhikkhunīs?”

Alle sahen jetzt etwas betreten aus. Schließlich sagte Amita: Wir wissen alle, dass das gefährlich, aber machbar ist. Ich selbst bin einige Monate als Bhikkhunī von Ghora Katora hierher gewandert. Bhikkhunī Shyla hat, wie ich weiß, andere Erfahrungen gemacht, schlimme Erfahrungen, die es nicht angeraten erscheinen lassen, Bhikkhunīs umherwandern zu lassen, jedenfalls nicht allein.”

Bh. Shyla fühlte sich angesprochen: Das, was ich damals erlebt habe - erleiden musste! - kann man wirklich niemandem wünschen. Allerdings war ich damals noch um etwas jünger. Heute in meinem Alter – ich bin fast 60 – würde ich es mir zutrauen mit ein oder zwei anderen Bhikkhunīs auf Wanderschaft zu gehen. – Oder auch mit Bhikkhus.”

Da hatte sie etwas angesprochen, was eigentlich ein Tabu war: Mönche und Nonnen waren traditionell streng getrennt. Hier in der Mettā-Sangha war es eine absolute Ausnahme, dass Männer und Frauen in einem Kloster waren – wenn auch in zwei verschiedenen Gebäuden.

Es schien sich niemand äußern zu wollen, also übernahm Amita wieder: Offensichtlich gibt es zum letzten Punkt noch den Bedarf, darüber nachzudenken. Ich meine wir sollten dieses Nachdenken – allein oder im Gespräch mit anderen – abwarten und den letzten Punkt, den des gemeinsamen Wanderns von Bhikkhus und Bhikkhunīs zu einem späteren Zeitpunkt besprechen. Der Rest schien mir völlig einvernehmlich zu sein. Natürlich muss jeder – und vielleicht auch jede – von uns darüber noch etwas nachdenken. Ich denke, dass wir alle, ein jeder für sich, das auch mit anderen besprechen. Eines steht aber fest: es wird demnächst wandernde Bhikkhus des Mettā-Ordens geben - und ihr Ziel wird sein, denen, die das möchten, Dharma-Geschichten, aber auch die Arbeit mit Projektionsfiguren – die Mahasanghikas nennen sie Bodhisattvas – und weitere Dharma-Unterweisungen zu geben.”

Die Versammlung ging auseinander und danach war die Sache mit dem Wandern einige Wochen lang das Gesprächstthema im Kloster. Allmählich kristallisierte sich heraus, das erste von ihnen nach der Regenzeit losziehen wollten.


Bhikkhunī Shyla: „Ich war in Nilay verliebt“

In den Frauenstudienkreisen gab es inzwischen neue Lehrerinnen. Es war nunmehr üblich, dass meist jeweils eine Nonne unterrichtete und dabei von einer der anderen Frauen, die sich gut im Dharma auskannten, unterstützt wurden. Wir besuchen wieder einen Studienkreis, der sich mit dem siebzehnteiligen Pfad zur Befreiung beschäftigt. Die Unterrichtenden sind Bh. Shyla und die 24-jährige Jayanna, die Tochter des Fischers, die von Manisha und dem Schmied Gulzari aufgezogen worden war.

Jayanna eröffnet den Unterricht: Guten Tag, meine Lieben - wer kann denn nochmal kurz zusammenfassen, wo wir beim letzten Mal stehen geblieben sind?”

Aastha fasst zusammen: Wir hatten uns mit Samādhi befasst - mit der eigentlichen Meditation. Der zweite der drei Pfadabschnitte des Pfades zur Befreiung befasst sich ja insgesamt mit Meditation. Dabei hatten wir gesehen, dass -  ausgehend von Avippatisāra, also Gewissensreinheit, die sich am Ende des Pfadabschnittes Ethik einstellt - mehrere Schritte bis zu Samādhi, zu wirklich tiefer Meditation nötig sind, von denen die ersten besonders angenehm bis ekstatisch sind, bis eine Beruhigung eintritt, die schließlich die Basis für Samādhi ist. Soll ich die einzelnen Schritte auf dem Pfadabschnitt nochmal erklären?”

Nein danke, Aastha - das ist nicht nötig”, Jayanna machte eine angedeutete Verbeugung vor ihrer Schülerin, um damit zu zeigen, wie gut sie ihre Zusammenfassung fand. Und heute beginnen wir mit dem dritten Teil des Pfades zur Befreiung, der sich mit Weisheit befasst; eine Weisheit, die auf der Basis von Ethik - den ersten Pfadteil - und auch eine gewisse meditative Reife voraussetzt, die im Pfadabschnitt Meditation erreicht wurde - und zu Samādhi führte, wie uns Aastha so schön darlegte. Der dritte Teil, Weisheit, umfasst die Punkte3

    12. Samādhi – tiefe Meditation, Versenkung

    13. Yathābhūta-ñānadassana – Erkennen der Realität

    14. Nibbida – Rückzug, Loslassen

    15. Virāga – Abgeschiedenheit

    16. Vimutti – Befreiung

    17. Āsavakkayañāna – Wissen um die Zerstörung der Triebe

Charu meldete sich und bekam von Jayanna das Wort erteilt: „Woher stammt eigentlich diese Kette, also dieser Pfad zur Befreiung mit den 17 Gliedern, ist das auf den Buddha zurückzuführen, hat man das in Klöstern erforscht oder ist das von Yuz?“

Das steht irgendwo im Pāḷi-Kanon. Kannst du uns die Stelle sagen, Bhikkhunī Shyla?”

Ja, in der Saṃyutta Nikāya, das Wort bedeutet die `Zusammengestellte Sammlung´ von Erklärungen des Buddha, findet sich diese Reihe, aber auch im Sanskrit-Kanon.4 Man nennt sie das Upanisā Sutta, das heißt soviel wie `Reihe notwendiger Bedingungen´, weil eben jeder der Punkte die notwendige Bedingung ist, dass der nächste entsteht. So ist also Ethik, die zur Gewissensreinheit führt, die notwendige Bedingung für die optimale Entwicklung der Meditation. Zum Schluss waren wir bei sehr erfolgreicher Meditation angelangt - bei Samādhi. Und das ist wiederum die unabdingbare Voraussetzung zu Erreichen des Punktes 13, der wahrheitsgemäßen Betrachtung der Realität.“

Devi ist das noch unklar: „Was heißt denn `wahrheitsgemäße Betrachtung der Realität?´ Sehen wir ohne Samādhi denn die Realität nicht wahrheitsgemäß?"

Bh. Shyla gab die Frage weiter: Wer von euch kann mir denn sagen, was uns daran hindert, die Realität wahrheitsgemäß zu sehen?”

Indica meldete sich zaghaft: Also wenn wir etwas gar nicht sehen, dann sind wir blind. Wenn von `wahrheitsgemäßer Betrachtung der Realität´ besprochen wird, folgere ich daraus, dass etwas zwischen `nicht sehen können´ und `wahrheitsgemäßen Sehen´ gibt. Und da gibt es doch im Dharma so ein Wort, das von dem Begriff `blind´ abgeleitet ist: verblendet. Also ist das, was wir gewöhnlich sehen, Ergebnis unserer Verblendung.”

Ganz hervorragend analysiert, Indica, und wodurch entsteht Verblendung?”

Verblendung entsteht durch Verlangen - also durch Gier einerseits - und andererseits durch Abneigung bzw. Hass.”

Ausgezeichnet! Kann mir auch jemand ein Beispiel für diese unterschiedlichen Sichtweisen auf das gleiche Objekt sagen?”

Darshana meldete sich eifrig, also nickte Bh. Shyla ihr zu. Die erklärte dann: Ich kann da ein gutes Beispiel dazu benennen! Vor einigen Jahren waren meine Schwester und ich in den gleichen jungen Mann verknallt, wir wollten beide, dass er sich mit uns beschäftigt. Er hat sich dann aber bald für mich entschieden - heute sind wir übrigens verheiratet. Aber damals, als er sich gerade für mich – und damit gegen meine Schwester – entschieden hatte, da schlug mir immer das Herz höher, wenn ich ihn sah. Aber meine Schwester sagte nur, wenn sie ihn sah: `Ach, der Blödmann schon wieder.´ Ich war verliebt, ich war verblendet und voller Verlangen nach ihm. Aber meine Schwester wurde nur ärgerlich, wenn sie ihn sah, sie war auch verblendet, und voller Aversion, obwohl sie ja zuvor in ihn verliebt war, dann aber enttäuscht wurde.”

Bh. Shyla lobte sie: Das ist ein ganz ausgezeichnetes Beispiel, Darshana, es zeigt, was uns dazu führt, dass wir die Dinge nicht der Realität gemäß sehen. Und es hat in mir eine Erinnerung an meine Jugend zurückgerufen, da ist mir genau das gleiche passiert wie dir - vor fast einem halben Jahrhundert: ich war in den gleichen Mann verliebt wie meine Schwester. Und ihr kennt ihn sogar!”

Darshana wunderte sich: Aber damals warst du doch gar nicht hier, du kommst doch auch Südindien, da kannst du gar keinen von hier gekannt haben!”

Doch, Darshana, einer von der Mettā-Sangha war damals zu uns gekommen, und wir beide, meine Schwester und ich haben uns in ihn verliebt. Dieser Mann hieß Nilay und ihr kennt ihn als Mahadevamitta oder als Bhikkhu Nilay!”

Das führte natürlich zu großer Unruhe und zu Palaver, dass jemand – ihre Lehrerin, eine Nonne in den wichigsten Mönch der Mettā-Sangha verliebt war sie, die jetzt eine Bhikkhunī war!

Schließlich jedoch fragte Darshana: Wie siehst du ihn denn heute, Bhikkhunī Shyla, bist du noch ein klein wenig verliebt, oder bist du ärgerlich, dass er dich sitzen gelassen hat und Mönch geworden ist?”

Die Angesprochene schüttelte den Kopf: Aber nicht doch, Darshana, ich gehe den Pfad der Befreiung. Und ich war erfolgreich auf dem Pfadabschnitt Meditation. Samādhi ist eine leichte Übung für mich, daher sehe ich die Dinge so wie sie sind: unverblendet. Da ist kein Verlangen und keine Enttäuschung. Was wirklich da ist, ist Dankbarkeit. Dankbarkeit, dass ich durch ihn den Dharma kennen gelernt habe, dass ich durch ihn von der Mettā-Sangha gehört habe und Freude, dass ich heute hier - eine Nonne bin.”

Darshana fragte nach: Aber dein Verhältnis zu Bhikkhu Nilay, wenn du ihn heute siehst, was ist damit?”

Ich sehe ihn sehr oft, wir sind ja auch zusammen im Spirituellen Rat. Ich bin einfach unwahrscheinlich dankbar, dass es ihn gibt - und dass ich jetzt dank ihm hier bin, dass ich mit ihm und den anderen im Spirituellen Rat wirken darf. Es ist das absolut Größte, was ich mir für dieses Leben gewünscht habe. Das Größte für dieses Leben, das ich führe, um auf dem Pfad zur Befreiung weiterzukommen und um anderen auch dabei helfen zu können, auf diesem Pfad der Befreiung entgegen zu gehen.”

Jetzt schaltete sich Jayanna wieder ein: Bhikkhunī Shyla ist ein gutes Beispiel für jemanden, der den Pfad zur Befreiung geht. Sie hat davon gesprochen, dass Samādhi inzwischen eine ihrer leichteren Übungen ist. Sie hat euch geschildert, wie sie Bhikkhu Nilay inzwischen frei von Gier und Verlangen sieht. Sie hat außerdem den Wunsch, eine Familie zu haben, eine Ehe zu führen, losgelassen. `Loslassen´ ist Punkt 14 auf unserer Liste. Bhikkhunī Shyla lebt, wenn sie nicht aus Güte hier unterrichtet, im Kloster in Abgeschiedenheit. Abgeschiedenheit ist Punkt 15 unserer Liste. Punkt 16 ist Befreiung. Das bringt mich zu der Frage: `Bhikkhunī Shyla bist du befreit? Bist du völlig frei?”

Die lächelte ihre Co-Lehrerin an: Ich bin insofern befreit, als ich Gier, Hass und Verblendung überwunden habe. Ich bin auch insofern befreit, dass ich mein Ego überwunden habe. Ich setze meine eigenen Bedürfnisse nicht mehr vor die der anderen. Ich bin nicht befreit, insofern ich diesen Körper habe, mit all seinen Gebrechen. Und ich weiß auch, dass diese Gebrechen noch stärker werden. Ich sehne mich nicht nach dem Tod, denn ich freue mich, heute hier noch nützlich sein zu können, euch unterrichten zu dürfen. Aber ich sehe meinem Ableben mit sehr großer Gelassenheit entgegen.”

Jayanna bedankte sich bei Bh. Shyla und bei ihren Schülerinnen für diese aufschlussreiche Unterrichtstunde und sagte schließlich: Wir haben heute zu Beginn des dritten - und letzten -Teils dieses Kurses einen ganz kurzen Überblick über den dritten Teil des Pfades zur Befreiung, des Teils `Weisheit´ bekommen - und ich freue mich, mit euch allen zusammen in den nächsten Woche dieses Thema noch vertiefen zu können.”


Ratnasambhava-Praxis: geleitete Meditation

Am nächsten Uposatha wurde - wie üblich - mit einer gemeinsamen Meditation begonnen, es wurden die Zufluchten und Vorsätze rezitiert und es wurden auch zwei Lieder gesungen. Dann jedoch kam der Teil, indem einer der Mönche oder Nonnen, mitunter auch eine andere erfahrene Person ein Thema vortrug. Heute war Bh. Nilay der Vortragende.

Liebe Frauen und Männer der Mettā-Sangha. Wir haben hier inzwischen eine Reihe von Figuren, an die wir uns in der Meditation wenden - und an die wir uns auch im Gebet wenden können. Die vielleicht zentralste Figur ist die der Grünen Tara, denn sie stellt die Tugend dar, der wir uns in der Mettā-Sangha am meisten verpflichtet haben: Mettā, allumfassendes Wohlwollen und Karuna, tätiges Mitgefühl. Wir haben auch die rote Figur des Amitabha, der durchaus auch Mettā verkörpert. Er ist eine Kraft die uns Mettā spendet, damit wir es weitergeben können. Wir können in ihm den Gnadenaspekt des Göttlichen sehen, denn es ist eine Gnade, dass er uns sein Mettā sendet.

Die blaue Figur des Akṣobhya steht für die Unerschütterlichkeit, die wir brauchen, wenn wir den Pfad zur Befreiung gehen. Und wir haben Amoghasiddhi, jene grüne Figur an die wir uns wenden können, wenn wir ängstlich sind. Seine Gabe ist die Furchtlosigkeit. All das kann hilfreich sein - und ich weiß von vielen von euch, dass sie sich erfolgreich an die eine oder andere dieser Figuren, die für spezifische Kräfte stehen, gewandt haben.

Manchmal habe ich aber auch gehört, dass jemand gar nicht wusste, an welche dieser Figuren er sich mit seinem spezifischen Problem wenden könnte. Es fehlt gewissermaßen der Joker, die Figur, die man einsetzen konnte, wenn etwas fehlt. Und die gute Botschaft ist: es gibt diese Figur - und ich möchte euch heute davon erzählen.

Diese Figur ist von strahlendem Gelb, einem Gelb wie die Sonne - oder wie reife Kornfelder. Die Sonne strahlt ihre wärmende Kraft in alle Richtungen aus. Sie ist wie der Sommer, der alles zur Reife bringt. Vielleicht erinnert diese Figur damit diejenigen, die im Brahmanismus aufwuchsen, an den Sonnengott Sūrya. Aber diese Figur ist viel mächtiger als Sūrya, denn sie hält in ihrer linken Hand das wunscherfüllende Juwel Cintāmaṇi. Diese Figur, von der ich euch gerade berichte, heißt Ratnasambhava, das heißt `der Juwelen-Geborene´ oder auch `der Juwelen-Hervorbringende´. Er regiert den Süden, seine Tageszeit ist daher die Mittagszeit. Das ist also auch die beste Zeit, ihn anzurufen. Er residiert auf einem prächtigen Lotusthron, der von vier starken Pferden getragen wird, was wiederum seine Stärke symbolisiert. Seine rechte Hand zeigt - wie die der Grünen Tara - die Geste der Wunschgewährung.

Ratnasambhava wird von Menschen angerufen, die sich in ihrer Not an ihn wenden, zum Beispiel wenn sie krank sind oder ein schweres Problem haben. Aber er ist auch Inspiration für uns, ihm nachzueifern. Er soll uns dabei helfen, zu werden wie er: ein Helfer dort, wo immer Hilfe nötig und möglich ist. Wenn wir selbst beginnen, uns mit Ratnasambhava zu identifizieren, dann werden wir hilfsbereiter. Und wenn wir hilfsbereiter werden, dann wird die Welt tendenziell besser.”

Danach bat Bhikkhu Nilay die Zuhörerschaft an einer geleiteten Meditation teilzunehmen. Er leitet sie an, Ratnasambhava vor sich zu visualisieren, wie er vor ihnen sitzt, höher als sie selbst. Dann berührte diese Figur die Meditierenden mit ihrer gebenden Hand, worauf Ratnasambhava wie ein gutartiger Dämon in sie eindrang und sie übernahm. Alsdann sahen sie mit Ratnasambhavas Augen eine andere Person in ihrem Umfeld, einen Menschen mit einem Problem. Schließlich strahlte tatkäftiges Mettā von ihnen selbst in diese andere Person und half ihr dabei,  ihre Problem selbst zu lösen. Gegen Ende der Meditation entfernte sich Ratnasambhava wieder aus den Meditierenden, saß ihnen wieder gegenüber. In ihrem Herzen jedoch hatte er die heilige Silbe `tram´ eingepflanzt. Wann immer sie sich daran erinnerten, sollten sie diese Silbe mehrfach wiederholen, um die Ratnasambhava-Kraft in sich zu evozieren.

Anschließend empfahl Bhikkhu Nilay ihnen diese Meditation mindestens einmal wöchentlich zu üben.

Die Menschen waren sehr beeindruckt von dieser Erfahrung und noch tagelang war Ratnasambhava das wichtigste Gesprächsthema der Mettā-Sangha. Nicht wenige von ihnen machten diese Meditation, diese Sādhana zu ihrer regelmäßigen Praxis. Und ganz oft wurde Bh. Nilay in der Folge von Menschen angesprochen, die von dieser Sādhana beeindruckt waren, die sie übten oder die sich auch mit Fragen hinsichtlich dieser Meditationspraxis an ihn wendeten.

Die Mettā-Sangha war um ein weiteres Werkzeug beim Gehen auf dem Pfad zur Befreiung reicher.


© 2026 Copyright by Horst Gunkel, Vacha


Fußnoten

1  Dieses Kapitel spielt im Jahr 100 u. Z.

2 Die Ereignisse um den Tod von Yuz werden ausführlich im Band 2 dieser Reihe geschildert.

3 Der gesamte Pfad der Befreiung mit allen 17 Stufen findet sich am Ende von Kapitel 16.

4 Die Quelle ist im Pāḷi-Kanon, in der Saṃyutta Nikaya der Abschnitt S12.2, im Upanisā Sutta. In Indien wurden alle Exemplare des Pāḷi-Kanon während der islamischen Herrschaft vernichtet. Nicht vernichtet werden konnten aber Abschriften des Pāḷi-Kanon in anderen südostasiatischen Ländern, allerdings ist dieser dort insofern unvollständig, als die Punkte 3-7 des Upanisā Sutta, also eigentlich der ganze Pfad der Ethik, heute fehlen. Wir finden den Teil aber im chinesischen Kanon, der wiederum eine Übersetzung des Sanskrit-Kanon ist. Da unsere Erzählung vor der islamischen Besetzung Indiens spielt, ist das Upanisā Sutta hier noch vollständig.


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Erläuterungen

Abba – Wenn Jesus Gott anbetete, verwendete er dieses aramäische Wort für„Vater“. Er nahm nicht die Anrede JHWH, die im Tenach verwendet wurde. Während JHWH den alttestamen­tarischen strengen Gott, der ursprünglich derKriegsgott der Juden war, bezeichnet, interpretiert Jesus das Göttliche neu und sieht darin eine milde, verständnisvolle undunterstützende Vaterfigur.

Akṣobhya einer der fünf Buddhas im Mandala der fünf Jinas (Buddhas), indem wir das, was Buddhaschaft ausmacht in ihren wichtigsten fünf Teilaspekten darstellen. Akṣobhya („Der Unerschütterliche“) wird dabei als blauer Buddha dargestellt, der für Unerschütterlichkeit steht. Er wird mit der Erdberührungsgeste dargestellt (die rechte Hand berührt die Erde), was daran erinnert, dass der spätere Buddha kurz vor seiner Erleuchtung Mutter Erde als Zeugin für seinen rechten Wandel berief.

Amitābha ein nicht-historischer Buddha, häufig wird der historische Buddha zuMeditationszwecken in fünf verschiedene Figuren aufgespalten, um einzelne Aspekte von Buddhaschaft zu betonen, hierbei steht Amitabhafür Mettā (allumfassende Liebe) und Gnade. Amitabha ist auch einer der fünf Jinas, der im Osten des Mandalas der fünf Jinas dargestellt wird.

Amoghasiddhiein nicht-historischer Buddha, ein Archetyp, der im Mandala der fünf Jinas im Norden dargestellt wird. Seine Haut­farbe ist grün, er gehört zur Karma-Familie, sein Name bedeutet „vollständiges Gelingen“ und er wirdüblicherweise mit der Geste der Furchtlosigkeit dargestellt.

Archetypen - bezeichnen in der Psychologie seit C. G. Jung die dem kollektiven Unbewusstenzugehörigen Grundstrukturen menschlicher Vorstellungs- und Handlungsmuster, z.B. der jugendliche Held, der Schatten (die negativen Aspekte des Selbst), oder die anima (die weiblichen Anteile im Mann) resp. der animus (männliche Anteile der Frau)

Bhārat Gaṇarājya(Sprache: Hindi) indische Bezeichnung für Indien
Bhikkhu = (abgeküzt: Bh.) Mönch
Bhikkhuni = (abgeküzt: Bh.) Nonne
Bodhisattva – Figur im Mahāyāna-Buddhismus. Bodhisattvas sind Wesen, die Erleuchtung nicht nur für sich selbst anstreben, sondern zum Wohl aller Wesen. (Im Theravāda wird das Wort nur für den späteren Buddha vor seiner Erleuchtung verwendet.)

Brahmanismus – indische Religion, in der (u.a.) einen Brahman (Gott) verehrt wird. Der B. heute als Hinduismus bezeichnet.

Buddhawörtlich: Erwachte/r; eine Person, die das Ziel des Buddhismus erreicht hat und damit befreit ist von den Fesseln des Ichglaubens.

Cintāmaṇi (Sanskrit: चिन्तामणि [tʃɪnˈtɑːmʌɳi], ‚Wunschjuwel‘) ist im Hinduismus und im Buddhismus einlegendärer Edelstein, dem die Macht zugesprochen wird, seinem Besitzer das zu geben, wonach er sich sehnt. Im Mahayana-Buddhismusist er ein Attribut der Bodhisattvas und steht allegorisch für die Wirkkraft des Dharma und den Geist, der Erwachen erlangt hat. (nach: Wikipedia 7.6.2025)

Dharma – hier gewöhnlich die Bezeichnung für die Lehren des Buddha. Das Wort bedeutet Wahrheit, (Natur-)Gesetz, Wissenschaft, Lehre.

Dreifacher Pfad – einfachste Beschreibung des buddhistischen Pfades aus (1) Ethik, (2) Meditation und (3) Weisheit, eine ausgearbeitete Version zeigt das upanisā-Sutta auf.

Grüne Tārā – Bodhisattva, die für grenzenloses Mitgefühl zu allen Wesen steht. Sie wird immersitzend dargestellt, im Begriff aufzustehen, um den leidenden Wesen aktiv zu helfen, ihre rechte Hand zeigt die Geste der Wunschgewährung. Sie hat grüne Haut, denn sie gehört zu einer Gruppe von grünen Wesen, genannt die Karmafamilie. Neben der GrünenTārā gibt es noch 20 weitere Tārās, die Grüne Tārā ist aber die bekannteste davon.

Hindu - Anhänger des Hinduismus

Hinduismus – Mehrheitsreligion in Indien seit rund 4000 Jahren

JHWHist der Eigenname des Gottes im Tanach. Da es in der hebräischen Schrift keine Vokale gibt enthält er keine Konsonanten. Ausgesprochen wird er Jahwe, oder auch Jehova.

Jinas, fünf – Jina heißt Sieger; im Buddhismus ist Sieger, wer die Vollkommenheit,Buddhaschaft, Nirwana, erreicht hat. Im Mandala der fünf Jinas werden fünf archetypische Figuren gezeigt, die fürEigenschaften der Vollendung und verschiedene Weisheitsaspekte stehen

Karmaim Buddhismus jede absichtlich ausgeführte Handlung. Es wirddavon ausgegangen, dass Handlungen Folgen haben, die (auch) auf den Verursacher zurückwirken.

Katriya (Sanskrit: क्षत्रिय) höchste indische Kaste, umfasst Adel, Krieger, Beamte

Lakṣmī – ist die hinduistische Göttin des Glücks, der Liebe, der Fruchtbarkeit, des Wohlstandes, der Gesundheit und der Schönheit, nicht nur Spenderin von Reichtum, sondern auch von geistigem Wohlbefinden, von Harmonie, von Fülle und Überfluss, Beschützerin der Pflanzen.

Mahāsāṅghika – (Große Gemeinde) Name einer frühen Schulrichtung des Buddhismus. Sie entstand 137 Jahre nach dem Tod (Eingang ins Nirwana) des Buddha, kurz nach dem zweiten Konzil von Vaiśālī. Hiermit hat sich gewissermaßen die spätere Spaltung in Theravada und Mahayana angekündigt.

MaṇḍalaWörtlich: Kreis; ein geometrisches Schaubild, das in Hinduismus und Buddhismus eine Bedeutung hat. Es ist meist quadratisch mit einem Objekt in der Mitte, das zentrale Bedeutung hat. Im Maṇḍala der fünf Jinas wird im Mittelpunkt eine Figur gezeigt, die die Eigenschaften der vier anderen Figuren umfasst.

Mettā(Pali) eine sehr positive Emotion: Wohlwollen, Zuneigung, (nichterotische) Liebe, oft als „liebende Güte“ übersetzt. Mitunter wird sie auch als „Allgüte“ bezeichnet, denn Mettā soll allen Wesen in gleicher Weise entgegen gebracht werden. Es istdas, was beispielsweise Jesus meint, wenn er sagt, man solle nicht nur seinen Nächsten lieben wie sich selbst, sondern sogar seinenFeind

Mettā BhāvanāMeditation zur Schaffung von Bedingungen damit Mettā entsteht, normalerweise in fünf Phasen geübt (1) Mettā für sich selbst, (2) für einen guten, edlen Freund/Freundin, (3) für eine neutralbesetzten Person, (4) für eine schwierige Person (Feind) und (5) für allen fühlenden Wesen.

Mettā-OrdenOrden der Mönche und Nonnen der Mettā-Sangha

Mettā-Sangha – Bezeichnung für die von Yuz und Amita gestiftete Spirituelle Gemeinschaft

Mettā-Vihāra - Kloster des Mettā-Ordens

MuditāMitfreude

Pāḷi-Kanon – älteste Schriftensammlung des Buddhismus, hier sind u. a. die Lehrreden des Buddha enthalten.

Pataliputra – Die Stadt (das heutige Patna) an der Mündung des Son in den Ganges wurde zu Buddhas Zeit von König Ajatasattu (unter dem namen Pataligama) gegründet worden. Ajatasattus Sohn Udayin machte sie dann zur Hauptstadt des Königreiches Maghada. Sowohl der Buddha als auch Mahavira besuchten die Stadt mehrfach und im Jahr 253 v.u.Z. fand hier das dritte buddhistische Konzil statt.

Ratnasambhava – einer der Buddhas im Mandala der fünf Jinas. Diese nichthistorische mythologische Figur wird mit gelber Haut und dem wunscherfüllenden Juwel Cintamani an der Hand dargestellt. Er steht für eine der fünf hervorragendsten Eigenschaften des historischen Buddha, für dana (freundiges Geben).

dhana - (sanskrit: von der Wurzel 'sadh', 'geradewegs auf ein Ziel zugehen, erfolgreich sein') bezeichnet eine spirituelle Disziplin, die unternommen wird, um ein bestimmtes geistiges Ziel zu erreichen. Diese Ziele können sein, Erleuchtung zu erlangen, Befreiung aus dem Kreislauf des Lebens zu erlangen, Nirwana zu erreichen (Wikipedia). Im Vajrayana eine rituelle Meditationspraxis. dhana-Texte geben eine genaue Anleitung zur bildhaften Meditation auf eine oder mehrere Gottheiten: im Sadhana vereint sich der Meditierende mit dem Objekt seiner Meditation, der Gottheit.

Samādhi - „tiefe Meditation, Versenkung, spirituelle Absorbiertheit“, nach dem Sanskrit-Kanon: zwölftes upanisā, samādhi ist auch der zweite Teil des Dreifachen Pfades

Saṃyutta Nikāya - („Die Gruppierte Sammlung“) ist eine Sammlung buddhistischer Texte; sie ist eine der fünf Nikāyas (Sammlungen), aus denen die Suttapitaka (Korb der Lehrreden) besteht. Der „Korb der Lehrreden“ ist einer von drei „Körben“, die den Pāḷi-Kanon ausmachen. Das Wort „Korb“ wird verwendet, da bei den Konzilen die Titel der Lehreden auf Palmblättern notiert waren, und diese für die Kanonisierung in Körben vorsortiert wurden.

Sanghaspirituelle Gemeinschaft, hier besonders für die Gemeinschaft der Schülerinnen und Schüler des Buddha. Zur Sangha in engeren Sinn gehören nur Mönche und Nonnen, zur Sangha im engsten Sinn nurErleuchtete.

Sanskrit – eine altindische Schriftsprache, die um 1500 v.u.Z. entstand, um die Veden, die heiligen Texte des Hinduismus niederzuschreiben.

Sanskrit-Kanon Sammlung buddh. Schriften, alle Exemplare wurden während der islamischen Besatzung Indiens vernichtet, es gibt aber noch Übersetzungen davon in Chinesischer Sprache.

Sūrya (Sanskrit सूर्य ‚Sonne‘) ist in den ältesten Schriften des Hinduismus, den Veden, die Personifizierung der Sonne, der Wärme und des Lichtes bzw. der Sonnengott, den viele Gläubige noch heute in verschiedenen Formen verehren. Gelegentlich taucht Surya in den Veden in weiblicher Form als Tochter der Sonne auf. Surya verkörpert die Mittags- und Abendsonne. (Quelle: Wikipedia 19.12.2025)

Tanach - oder Tenach (hebr. תנ״ך TNK) ist eine von mehreren Bezeichnungen für die Hebräische Bibel, dieSammlung der heiligen Schriften des Judentums er enthält unter anderem die Tora (Weisung). Das Christentum hat alle Bücher desTanach - etwas anders geordnet – übernommen. Sie sind das Alte Testament.

Theravāda - eine der frühen Schulen des Buddhismus, die einzige Hinayana-Richtung, die noch existiert. Theravāda bedeutet „Schule der Älteren“, was darauf hinweisen soll, dass ihre Anhänger den Buddhismus so praktizieren, wie das der Buddha selbst gemacht hat. Bei ihnen stehen die Lehrereden des Pāḷi-Kanon, der ältesten buddh. Schriften im Mittelpunkt.

Upanisā – Vom Buddha wurde im upanisā sutta eine Reihe von aufeinander aufbauenden und sich gegenseitig verstärkenden Bedingungen für eine spirituell positive Entwicklung aufgezeigt. Ich übersetze upanisā mit "Voraussetzung". Im upanisā sutta ist der Pfad in – je nach Quelle – 12 bzw. 17 upanisās aufgeteilt, damit stellt er eine ausgearbeitete Variante des Dreifachen Pfades dar.

Uposathaheißt wörtlich Fastentag. In der Mettā-Sangha findet an diesem Tag eine Ritualfeier statt, bei der sich Meditation,Gesang, Vortrag und Gesprächsgruppen abwechseln.

Zufluchten und Vorsätze – ein Ritual, mit dem sich BuddhistInnen (meist morgens) daran erinnern, dass sie die drei Juwelen oder Zufluchten (Buddha, Dharma und Sangha) in den Mittelpunkt ihres Lebens stellen, außerdem die pañcasīla, die fünf Vorsätze für Laien (Gewaltlosigkeit, Großzügigkeit, Wahrhaftigkeit, Genügsamkeit und Achtsamkeit)


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